Risiko Rentenbezug

Der Hauptgrund, weshalb jemand eine Rente aus der Pensionskasse bezieht, ist die Sicherheit. Als Rentenbezüger weiss man, was die Pensionskasse jeden Monat auf das Konto überweist. Rentenkürzungen bei laufenden Renten sind zwar nicht unmöglich, aber es müssten einige negative Faktoren zusammen eintreffen, dass Rentenkürzungen bei bereits laufenden Renten in Frage kämen. Eine längere Rezession in Kombination mit weiterhin tiefen Zinsen, fallenden Aktien- und Immobilienmärkten sowie weiterhin steigender Lebenswartung würde dazu führen, dass die aktiv Versicherten – also die noch Arbeitstätigen – irgendwann die Umverteilung von jung zu alt politisch stoppen würden. Rentenkürzungen bei bereits laufenden Renten sind aus politischen Gründen oder wenn Pensionskassen die Renten nicht mehr bezahlen können möglich (Stichwort Deckungsgrad etc.).

Inflation als grösste Gefahr für Rentenbezüger

Eine grössere Gefahr für Rentenbezüger stellt die Inflation dar. Weil wir eine lange Phase mit tiefen Teuerungsraten hinter uns haben, sind sich viele dieses Risikos nicht bewusst. Für eine Pensionskasse mit finanziellen Problemen ist es der einfachste Weg, Renten nicht der Inflation anzupassen. Indirekt können sie so die aktuell stattfindende Umverteilung von den Jungen zu den Alten reduzieren. Gesetzlich ist die Mindestverzinsung des Kapitals im obligatorischen Teil geregelt, nicht aber die zwingende Anpassung der Renten an die Teuerung. Wie viel Kaufkraft eine Rente durch die Teuerung verliert, zeigt folgende Grafik:

Inflation frisst die Kaufkraft der Rente auf

Eine Rente von 100’000 Franken hat nach einer gewissen Zeit je nach Höhe der Inflation viel weniger Wert:

Inflation10 Jahren15 Jahren20 Jahren25 Jahren30 Jahren35 Jahren
1%90’50086’10082’00078’00074’20070’600
2%82’00074’30067’30061’00055’20050’000
3%74’40064’20055’40047’80041’20035’500
4%67’60055’50045’60037’50030’80025’300
5%61’40048’10037’70029’50023’10018’100
6%55’80041’70031’20023’30017’40013’000
7%50’80036’20025’80018’40013’1009’400
8%46’30031’50021’50014’6009’9006’800

Deshalb könnte die Inflation mitel- und langfristig höher ausfallen

Viele europäische Statten sind hoch verschuldet. Genau gleich wie für Pensionskassen ist Inflation für Staaten das einfachste Mittel, finanzielle Probleme zu lösen. Was bei Pensionskassen Rentenkürzungen sind, sind bei Staaten Steuererhöhungen. Beides ist unpopulär und in der Praxis nur schwer durchsetzbar. Lassen Staaten die Inflation ansteigen, werden Schulden durch die Inflation nominal betrachtet reduziert. Staaten, beziehungsweise die Politiker, können die Inflation zwar nicht einfach frei bestimmen, sie können sie aber beeinflussen. So können sie die Inflation nicht mit allen Mitteln bekämpfen oder teilweise Inflationsziele von Notenbanken beeinflussen.

Nicht alle Zentralbanken sind politisch so unabhängig wie die Schweizerische Nationalbank. Weil die Geldmenge in vielen Staaten stetig zunimmt und die Schulden immer höher werden, kommt die Inflation nicht ungelegen. Es kann also gut sein, dass wir uns allgemein auf eine langfristig höhere Inflation einstellen müssen. Die SNB kann den Franken einer weltweit höheren Inflation nicht einfach entziehen. Die Seiteneffekte (z.B. Frankenstärke) wären irgendwann zu gross. Wer also eine Rente bezieht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Inflation ein grosses und vor allem oft unterschätztes Risiko darstellt.

Inflation bei einem Kapitalbezug

Von Inflation kann man auch nach einem Kapitalbezug betroffen sein. Der Vorteil liegt aber darin, dass man selbst für die Geldanlagen verantwortlich ist. Als Anleger kann man beispielsweise in Sachwerte wie Aktien, Rohstoffe oder Immobilien investieren. Sachwerte sind bis zu einem gewissen Punkt gegen Inflation geschützt, weil sie bei hoher Teuerung ebenfalls an Wert zulegen. Zudem gibt es inflationsgeschützte Anleihen und andere Möglichkeiten, sich gegen Inflation zu schützen. Eine hohe Inflation ist für Konsumenten und Anleger negativ. Bei einem Kapitalbezug stehen die Chancen aber deutlich höher, sich bei einer hohen Teuerung effektiv dagegen zu wehren.

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